Herzlich willkommen bei der Aufdeckung einer unglaublichen Geschichte: Wie unter all den vielen Sprachen ausgerechnet unsere immer komplizierter wurde, und sich trotzdem immer noch so falsch anfühlt. Das sogar auf beiden Seiten des Streites, was aber seine Lösung nicht voranbringt, sondern den Streit eher noch vertieft..
Hier geht es nun darum, wie unsere Sprache in diese Schräglage geriet, und auch, wie sie wieder heraus finden könnte.

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Die dunkle Seite der Doppelnennungen

Nachdem die Genderlinguistik Behörden und Gerichte davon überzeugte, dass die Jahrtausende alten Begriffe wie „Lehrer“ und „Schüler“, insgesamt über 10.000 Stück, die Männer bevorzugen, entstanden als Ersatz Begriffe wie Lehrer’innen und Schüler’innen. Diese erzeugten einen so großen Sturm der Entrüstung, dass vor allem die Medien sich entschlossen, die verpönten Kurzbegriffe zukünftig durch Doppelnennungen zu ersetzen. Bei ihnen unterrichten jetzt Lehrer keine Schüler mehr, sondern Lehrer und Lehrerinnen Schülerinnen und Schüler.
Die Medien behaupten zwar, dass das nun hier keine Genderprache mehr wäre, Probleme zeigen sich aber trotzdem. Vordergründig geht es um Sprechbarkeit, Verständlichkeit und Akzeptanz.
Seit kurzem kommt nun ein weiteres, extrem irritierendes Probem hinzu:
2019 deutetee der NS-Hitoriker Götz Aly an, dass schon Hitler genderte.
Der Welt-Redakteur Matthias Heine ging 2025 in einem ausführlicheren Artikel darauf ein.
Wie es aussieht, handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes um eine unerhörte Sache. Doppelnennungen wurden schon seit den 1980er Jahren von der feministischen Linguistik als Weg propagiert, die „Männersprache Deutsch“ endlich gerecht zu machen. Dass aber genau diese Doppelnennungen schon von den Nazis gesprochen wurden, ist bisher völlig untergegangen.
Hier können Sie sich ein eigenes Bild machen und die beiden Sprachwelten vergleichen1:

Rundfunk 2024,
Olympiade in Paris

Rundfunk 1943, Goebbels
im Sportpalast Berlin

Was glauben Sie, sind das zwei unterschiedlichen Sprachformen, oder geht es um ein und dieselbe Sprache?

Irritierend ist, dass im heutigen Rundfunkt Doppelnennungen mitten im Fließtext, also nicht in der Anrede, erst seit wenigen Jahren praktiziert werden, ausdrücklich aus Gründen der Gerechtigkeit. Goebbels aber sprach 90 Jahre früher auf diese Art, Hitler nachweisbar schon in den 1920er Jahren.
War uns das NS-System in Sachen Gerechtigkeit wirklich so weit voraus?
Oder ist ihre bzw. unsere sexualisierende Sprache gar nicht so gerecht, wie es heute angesichts solcher Etikettierungen wie „geschlechtergerecht“ und „gendersensibel“ heißt?
Sind diese Etiketten vielleicht nur ein schöner Rahmen um ein nicht so schönes Bild?
Und „Gendergerechte Sprache“ nur ein gutes Beispiel für ein erfolgreiches ‚Framing‘?

Der nüchterne Blick auf das ungerahmte Bild, also die pure sexualisierte Sprache, zeigt klar:
[interaktive Schaltflächen, zeigen Details]

  • Sie ordnet Frauen Männern unter
  • Sie diskriminieren eine Minderheit
  • Sie hält Menschen von der sozialenTeilhabe ab
  • Sie trennt statt zusammen zu führen

Einmal davon abgesehen, wie fatal es ist, wenn ein staatlich kontrollierter Rundfunk sich nicht an die Grundregeln des Staates2 hält:

  • Wenn Sprache wirklich Bewußtsein formt, wie formt uns eine Sprache, die uns zu Mitläufern beim Ausschluß einer Minderheit macht?
  • Wohin entwickelt sich eine Gesellschaft, die ihre Sprache so umbaut, dass sie eindeutig Menschen diskriminiert.
  • Und selbst dann dabei bleibt, wo sich die in den 80er Jahren behaupteten Begründungen als falsch erwiesen haben.3

Viele denken, beim Gendern ginge es nur um den Genderstern und die Sprechpause. Aber es geht nicht um ein einziges neues Symbol, sondern um 15.000 Wörter, die gerade ihre Bedeutung verlieren. Wenn wir von “Zuschauerinnen und Zuschauern” reden, sind mit „Zuschauer“ nicht mehr zuschauende Menschen gemeint, sondern nur noch die Männer. So verschwindet zwar nicht das Wort Zuschauer, aber seine Bedeutung als Oberbegriff. Dasselbe bei Lehrer, Schüler usw., insgesamt 15.000 Wörter verlieren ihre Bedeutung. Das ist der eigentliche Kern des Problems um die Gendersprache, nicht die Sprechpause. Ein riesiger Verlust, der aber kaum bemerkt wird, da kein einziges Wort verloren geht, nur die verbinde Funktion. Wir ersetzen Wörter für Menschen durch Wörter für Teilgruppen, in einer Zeit wo die Gesellschaft ihren Zusammenhalt verliert ein sehr kontraproduktiver Vorgang.

Die meisten spüren aber, dass die Sprache gerade von den Füßen auf den Kopf gestellt wird. Viele von ihnen würden nie die AfD wählen, andere sowieso. Für eine beträchtliche Anzahl ist aber dieser „Sprachenraub“ DER Tropfen, eine AfD zu wählen, die die “gute alte Sprache“ zurück verspricht.
Eine AfD, deren Idole zwischen 1933 und 1945 die Zersetzung der Nomina Agentis in die Wege leiteten, verspricht, eine von “linksversifften Grünen, Woken und Feministinnen zerstöre Sprache“ zu reparieren???

Das zeigt zweierlei:
1. Die AfD schiebt selbst solche Dinge „denen da oben“ in die Schuhe, die ihre eigenen Idole auf den Weg brachten.

2. Es zeigt, wie wichtig es ist, die Wahrheit rund um die sexualisierte Sprache ans Tageslicht zu bringen. Nicht nur die in ihr verankerte Ungerechtigkeit und ihr die Oberbegriffe zerstörender Mechanismus, sondern auch ihre dunkle NS-Vergangenheit.
Wenn wir uns das nicht trauen, müssen wir weiter zuschauen, wie eine AfD weiterhin erfolgreich die Stimmen der Empörten einsammelt.

Es bleibt die Frage, wieso das alles ausgerechnet der deutschen Sprache passierte.

Wir bewahren die Feminina, und drängen die Oberbegriffe aus der Sprache. Die anderen in der ‚germanischen Sprachfamilie‘ machen es umgekehrt: sie drängen die Feminina aus der Sprache, und bewahren ihre Oberbegriffe.
Dort werden in Annoncen a designer (GB), een bakker (NL), en snickare (S), en fisker (DK) oder en gartner (N) gesucht. Keine Sexualisierung, wo es nicht um Geschlechter geht. Niemand ist ausgeschlossen, alle gleich behandelt, die Sprache sprechbar und verständlich.

Wir dagegen suchen nach einem Designer oder einer Designerin, nach einem bzw. einer BäckerIn, nach einem und/oder einer Schreiner_in, nach einem oder einer Fischer:in, oder einem Gärtner (m, w, d).

Egal, welche Variante wir wählen: wir sexualisieren, diskriminieren, und machen die Sprache schwerer sprechbar und verständlich.

  • Ahnten die, die 1984 antraten, um die Sprache gerecht zu machen, diese fatalen Auswirkungen Richtung Ungerechtigkeit und Diskriminierung?
  • War ihnen diese furchtbare Steilvorlage für populistische Parteien bewusst?
  • Ahnten sie den NS-Hintergrund der Sprache, die sie damals anderen Vorschlägen vorzogen?4

Schade, dass die Institute, Verlage und sogar die Gerichte den Weg zur Gerechtigkeit, den unsere Geschwister fanden, verbaut haben. Wer per Inserat nach einem Schreiner sucht, muss mit Strafe rechnen.

Nachdenklich stimmt auch der folgende Fakt: Unsere Geschwistersprachen retteten nicht nur ihre Oberbegriffe, sondern stehen auch in den Gender-Equality-Statistiken, also der realen Gleichberechtigung, deutlich besser da als wir.

Unsere Sprache heißt gendergerecht, ihre Sprachen sind es.

Fühlen Sie sich herzlich eingeladen, hier nach den Ursachen zu stöbern, und nach dem Weg heraus aus dieser Sackgasse.


Fußnoten:

  1. Lizenzrechtliche Angaben zu den Quellen:
    Bild 1: Fackellauf bei den Olympischen Spielen in Paris: Feierliche Eröffnung mit sportlichem Geist, Fototgraf Marco Verch, Lizenz CC-BY 2.0
    Bild 2: Goebbels 1934, Bundesarchiv, Bild 102-17049 / Fotograf: Georg Pahl, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany
    Audio 1: Ausschnitte aus einem Livestream der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele Paris 2024. Urheber: © Eurosport / Warner Bros. Discovery. Link zum YouTube-Video von Eurosport. Die Nutzung erfolgt zu Dokumentationszwecken (wenige Sekunden aus 4:06:55 Stunden).
    Audio 2: Joseph Goebbels, Rede im Berliner Sportpalast („Totaler Krieg“), 18. Februar 1943. Bereitgestellt via Internet Archive (archive.org). Status: Gemeinfrei / Public Domain ↩︎
  2. Es geht um den Entscheid des BVG vom 17. Oktober 2017. Während unsere Geschwistersprachen auf gleichberechtigte Art mit „lärare“, „pupils“ usw. alle ansprechen, schließen wir mit ‚Schüler und Schülerinnen‘ diese vor Diskriminierung geschützte Minderheit aus. Ein klarer Verstoß gegen ihr durch die Verfassung garantiertes Recht, nicht diskriminiert zu werden. ↩︎
  3. Luise F. Pusch, Päpstin der Gendersprache, gesteht hier ein, dass „früher diese Personenbezeichnungen [Anm. d. Autors: Lehrer, Sänger usw.] für beide Geschlechter galten“, dass also ihre Vorwürfe in einem wichtigen Punkt widerlegt sind. Gleichzeitig bekennt sie, dass ihr das egal ist.
    Anmerkung: Auch die Vorwürfe gegen das Genus „Maskulinum“ sind widerlegt. Es bekam leider 450 vor Christus von frühen, im Dunklen stochernden griechischen Sprachforschern den Namen „Maskulinum“, obwohl es nie etwas mit einem Geschlecht zu tun hatte. Angesichts der heutigen Probleme einer der folgenschwersten Fehler der Sprachwissenschaften. Es gibt also kein „generisches Maskulinum“, weil schlicht und ergreifend der Name ‚Maskulinum‘ falsch ist. ↩︎
  4. Luise F. Pusch hier über die damalige Entscheidung:
    „Das war eigentlich der Beginn unserer Kritik. Wir hatten vorgeschlagen, wir wollen das “-in” abschafffen. Es ist eine Beleidigung. Dadurch wird also gesagt, die Frau ist sozusagen eine Ableitung, oder eine Abart des Mannes. Und deswegen: alle Movierungen werden abgeschafft, und wir verlassen uns nur noch auf die Artikel. Wir sagen das Lehrer, die Lehrer und der Lehrer. [Anm. d. Autors: „das Lehrer“ steht für Lehrer allgemein, „die Lehrer“ für weiblicher Lehrer und „das Lehrer“ für männlicher Lehrer] Da es aber so war, dass die Frauen haben gesagt, also ich bin jetzt endlich Dramaturgin hier an meinem Theater, ich möchte jetzt nicht in das Dramaturg verschwinden, oder wieder sagen, ich bin ein Dramaturg, ich möchte jetzt mal dass in meiner Sprache ein paar Feminina vorkommen. Und deswegen haben wir gesagt, gut, dann werden wir erst mal die Feminisierung betreiben, dass die Sprache überhaupt mehr Feminina zeigt…“
    ↩︎